Metal, Moshpit, Myankarma: Das sind die Gewinner des OLB

Sie haben sich beim OLB MUSIK CAMP gegen vier Bands, Singer und Songwriter durchgesetzt: Myankarma! Die fünfköpfige Metal-Gruppe gewinnt den Förderpreis der OLB Stiftung – und bekommt einen Live-Video-Dreh sowie Expertencoachings im Wert von 3000 Euro gesponsert. Wir waren bei der Preisübergabe dabei und haben unter anderem erfahren, wie (und wo!) der Bandname zustande kam, was die Jungs und Mädels vorhaben und welche Rolle dabei ein Drache namens Guildo spielt.

„Oah, ich krieg die Krise, ey!“ Dennis läuft nervös auf und ab, reibt sich immer wieder ungläubig das Gesicht. Es ist kurz nach 17 Uhr an diesem Donnerstag, der für die Band Myankarma kein gewöhnlicher werden soll: Heute bekommen sie ihren ersten Preis verliehen. Und das, obwohl die Gruppe erst ein paar Monate besteht. Doch der Sänger fehlt. Ausgerechnet Flemming, der derzeit kein Handy hat! „Flemming, du Lemming“, murmelt Dennis und kommt zum Schluss: „Dann sind wir jetzt wohl doch eine Instrumentalband.“

Dennis ist der Bandmanager. Er ist auch Bandgründer, Namensgeber, und vor allem: Bandpapa. So nennen ihn die anderen, wenn sie über ihn sprechen. Wenn sie mit ihm reden, sagen sie „Johnny“. Wegen der Ähnlichkeit zu dem Charakter aus der Kult-Filmreihe „Eis am Stiel“. Eis, nur so am Rande, wäre an diesem Abend auch nicht schlecht, denn draußen, vor den bodentiefen Fenstern der Hauptfiliale der Oldenburgischen Landesbank (OLB) knallt die Sonne, die Luft steht, 30 Grad. Und irgendwo da draußen irrt Flemming herum.

Dass sie heute überhaupt hier sind, die vier (und hoffentlich bald fünf), geht auch auf den 28-jährigen Logistikmeister zurück. Johnny – der echte, nicht die Filmfigur – hatte im Oktober mal wieder „richtig Bock auf eine Band“. Also wettete er mit seinen Kumpels, vor allem aber gegen sich selbst, dass er es schaffen würde, innerhalb einer Woche eine komplette Truppe auf die Beine zu stellen. Es ging zwar um nichts, aber wäre es um etwas gegangen, hätte er gewonnen, denn Johnny telefonierte und schrieb und organisiert und überzeugte, was das Zeug hielt, fünf Tage lang, und fand: eine Lehramtsstudentin, einen Krankenpfleger-Azubi, einen Freiwilligendienstler und einen Einkäufer aus der Luftfahrtbranche. Beziehungsweise namentlich: Merle, Jonas, Flemming und Heinke. Und so unterschiedlich sich das jetzt alles anhört, hatten sie doch eines gemeinsam: Liebe zur Musik. Mehr noch: Metal. Core Metal. Doom Metal. Hauptsache laut!

Ein Name musste her, er entstand bei einer längeren Sitzung. „Die Idee ist mir auf dem Klo gekommen“, meint Johnny und lacht. Darf man das in einer Bank erwähnen? Man darf. Und das die Musik von Myankarma kein Schiet ist, wie man im Norden sagen würde, haben sie ja eindrücklich beim OLB MUSIK CAMP bewiesen: An dem Workshop-Wochenende in der Jugendherberge Damme mit anderen jungen Bands, Singer-Songwritern sowie professionellen Coaches und Dozenten setzten sie sich gegen die vier anderen Mitbewerber durch – und erhalten nun den Förderpreis der OLB im Wert von 3000 Euro. Deswegen sind sie heute hier (jetzt, etwas abgehetzt, aber glücklich, auch Flemming). 

Zum dritten Mal verleiht die OLB den Förderpreis nun – und seit 2011 engagiert sich die Bank bereits in Kooperation mit den Jugendherbergen  im Nordwesten für die musikalische Nachwuchsförderung im Norden. Beim letzten Mal übergab Karin Katerbau den Preis an die Metal-Band Toni Trash. „Ich finde es immer wieder aufregend, was aus dem OLB MUSIK CAMP hervorgeht“, sagt die Vorstandsvorsitzende der OLB-Stiftung. Auch die Resonanz begeistere sie: 22 Bands haben sich in diesem Jahr beworben. „Ich gratuliere, dass ihr euch durchgesetzt habt“, freut sich Karin Katerbau. „Wir hoffen, dass wir Euch mit dem Förderpreis eine Weiterentwicklung ermöglichen können.“

Myankarma im Probenraum beim OLB MUSIK CAMP.

Davon ist Jonas überzeugt. Der 22-Jährige ist Lead-Gitarrist der Band, spielt das Instrument seit seinem fünften Lebensjahr. „Die Atmosphäre beim OLB MUSIK CAMP war echt krass“, erinnert er sich. „Sehr familiär mit den anderen. Aber auch super intensiv für uns! Wir haben uns noch einmal viel besser kennen gelernt.“ Nicht nur, weil die Jungs zum ersten Mal alle zusammen in einem Zimmer geschlafen und so auch schnell festgestellt haben, wer der Unordentlichste ist. Sondern vor allem musikalisch. „Vieles ist uns so viel klarer geworden“, betont Flemming. Und Merle ergänzt: „In den Proben hat man immer nur zwei oder drei Stunden. So hatten wir ein ganzes Wochenende, an dem wir uns ohne Zeitdruck mit unseren Songs auseinandersetzen konnten.“ Vor allem der Input der Dozenten zu kleinen Details habe viel gebracht.

Eine der Dozentinnen ist Line Pengel. „Myankarma haben mich wirklich geflasht“, sagt sie mit großen Augen. „Für mich war von vorneherein klar: die sind heiße Anwärter auf den Preis.“ Warum? „Für mich hat die Band total den Geist des OLB MUSIK CAMPS verkörpert“, meint Line begeistert. „Die waren sofort da, haben sich vernetzt, und vor allem: sie waren super wissbegierig.“ Dabei war sie am Anfang zunächst skeptisch, weil die Band erst seit Kurzem besteht. „Mir war nicht klar, wie weit das musikalisch schon bei denen gehen würde. Dann haben sie das erste Mal gespielt – und wir standen da als Dozenten mit offenen Mündern und haben nur gestaunt.“ Die haben sich absolut gefunden, das spüre man sofort. 

„Wir wollen sie aus dem Proberaum auf die Bühne holen“

Aber: Kann man da dann überhaupt noch etwas coachen? „Musikalisch werden wir da absolut nicht eingreifen“, betont Line. „Die wollen genau diese Musik machen, das merkt man ihnen an. Für uns geht es jetzt darum, sie aus dem Proberaum auf die Bühne zu holen und sie darauf bestmöglich vorzubereiten.“ Mit dem OLB-Förderpreis ist das möglich: In dem Paket ist neben dem Dreh eines Live-Videos auch eine intensive Coaching-Phase enthalten, in der die Musiker genau reflektiert bekommen, wie sie auf der Bühne wirken und an welchen Stellen sie noch etwas optimieren können. 

Machen direkt einen Termin aus: Coach Line Pengel und die Band Myankarma.

Eins haben die Musiker bereits entdeckt. „Wir brauchen einen einheitlichen Look als Band“, sagt Merle. Johnny wirft ein: „Ich habe da auch schon eine Idee: Wir werden alle komplett in schwarz gekleidet sein.“ Auf der Bühne zu stehen, mache allen riesigen Spaß: Schon beim OLB MUSIK-CAMP-Wochenende haben sie ihre Boxen mit ihrem Sound zerstört, erzählt Heinke lachend. Er spielt Schlagzeug, ist aber auch für die Technik zuständig. Beim Live-Gig eine Woche später war dann „komplett Abriss“, sagt Jonas: „Total durchgeschwitzt, Stagediving im Publikum – das war fett.“ Jonas lächelt. „Das sieht zwar immer brutal aus von außen, aber eigentlich ist das alles total friedlich: Egal wer du bist, was du machst im Publikum bist du Metal-Fan, und das ist dann alles okay so, das ist eine Familie.“ Merle ist vor allem begeistert von der Atmosphäre. „Man gibt über die Musik ja so viel Energie ins Publikum – und dann bekommt man sie hundertfach zurück.“ Live spielen, auf der Bühne stehen – da sind sich alle einig –, davon wollen sie mehr.

Und kriegen sie! Am 28. Juli stehen sie mit anderen Teilnehmern der vergangenen OLB MUSIK CAMPS Open Air in der Jugendherberge Leer auf der Bühne, auf der einen Tag später dann Wingenfelder und Wirtz spielen (Tickets gibt es hier). Dafür wird jetzt nochmal ordentlich geprobt: Sechs neue Songs hat die Band bereits geschrieben, zwei bis drei Mal wöchentlich treffen sie sich aktuell in ihrem Proberaum in Hude. Dass sie eines Tages einmal richtig berühmt mit ihrer Musik werden, glauben die fünf allerdings nicht. „Man muss da realistisch bleiben“, sagt Sänger Flemming. „Wir sind froh, wenn wir das als Hobby exzessiv betreiben und kreativ werden können. Am Ende ist es der Spaß, der zählt.“ Spaß haben Myankarma auf jeden Fall – schon vor der Bühne, bei ihrem Ritual: Zu jedem Konzert schleppen sie ihr Maskottchen mit, ein aus Gräsern geflochtener Drache, der Guildo heißt. Sie rufen: „Wie macht Guildo? Guildo macht Muh!“, und dann geht es hinauf auf die Bühne. Und vielleicht, wer weiß, auch bald auf die ganz große.

Ihr wollt wissen, wie es mit Myankarma weiter geht? Folgt der Band auf Facebook – direkt hier. Auch über unsere Facebook-Seite halten wir Euch natürlich auf dem Laufenden. Um zu erfahren, wie es den Gewinnern des letzten OLB Förderpreises, Toni Trash, ergangen ist, könnt Ihr hier nochmal den neuesten Beitrag lesen. Tickets für die Konzerte in Leer und Meppen gibt es unter diesem Link.

Das ist übrigens die allererste Single von Myankarma:

Schreibe einen Kommentar